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Zitate aus dem denkforum -
Nachdenkliches und Unterhaltsames


majanna über den Umgang miteinander:
Es ist wahr: wir kennen einander nicht.
Wir wissen übereinander nur das, was wir selber über uns preisgeben: direkt und das in den verschiedensten Threads.
Wir geben aber auch indirekt vieles über uns bekannt. Hier liegt m.Es. der nicht virtuelle, sondern reale Ansatzpunkt, der deutlich zeigt, dass virtuelle Bekanntschaften anders laufen als reale.
Ich kann jetzt nur von mir sprechen: aber ich mache mir Bildnisse. Ich stelle mir nun mal Andi so und so, Lacu wieder anders usw usw vor. Ich will wissen, mit wem ich kommuniziere. Und da das eben nicht möglich ist, mache ich mir Bildnisse, obwohl es ja heißt: Du sollst dir kein Bildnis machen.
Im wirklichen Leben korrigiert oft ein Lachen, eine Nebenbemerkung, Wissen, das wir von Dritten haben unser Bild.
Das ist im Forum nicht möglich. Hier korrigiert jeder selbst das Bild, das andere von – in diesem Falle – mir haben.
Und jeder will sich doch so sehen, wie er sich sieht (darstellt).
Und aus dieser Diskrepanz Selbstbild- Fremdbild, die wir oft – und in mitunter ungeschickten Worten – auch hier erleben, resultiert dann mitunter leichtere oder schwerere Verbitterung.
Ich bin zum Beispiel leicht anbeleidigt, wenn ich auf eine pn keine Antwort bekomme. Dabei sagt mir doch mein Verstand, dass meine Nachricht ja gar nicht verlangt war, ich also aufdringlich war.
Und so muss ich mit meinen Selbstkorrekturen in der Art fertig werden, dass ich mich frage: wozu das Gekränktsein?
Ist es nicht falsch, die/ den andere/ e dafür verantwortlich zu machen, wenn ich missverstanden werde oder missverstehe?
Der langen Rede kurzer Sinn – eigentlich müssen wir mit uns selber in einer virtuellen Gesprächsrunde viel sorgsamer umgehen als in realen Leben.
Es scheint aber viel leichter zu sein, den sorgsamen Umgang von anderen einzufordern.

wirrlicht beschreibt eine paradoxe Reaktion besonderer Art:
Vor Jahren rief mich irgendwann in der Nacht mal so'n "Stöhner" an und fragte, ob ich Lust auf Telefonsex hätte. Im Halbschlaf antwortete ich so höflich, als hätte er mir 'ne Tasse Kaffee offeriert: "Nein danke, fragen Sie doch bitte tagsüber nochmal an". Ich hab' allerdings nie wieder von diesem Herrn gehört :D

johko über die Freiheit:
Für mich ist Freiheit der Gipfelzustand eines zweidimensionalen inneren labilen Gleichgewichts, das ich immer öfter zu verspüren glaube. Mitunter komme ich mir allerdings auch vogelfrei vor. Das ist dann die andere Richtung des Pendels.

Alzii zum Thema Gewissheit:
Wer ernsthaft Philosophie oder Naturwissenschaft betreibt, der sieht, daß es Gewißheit nicht gibt.

Mara über Depressionen:
Eine Depression ist ein dunkler Raum ... wenn man ganz darin versunken ist, hilft auch keine Liebe von außen ... aber man sieht das Licht trotzdem durch die Ritzen und zu wissen, da ist jemand, läßt einen unterbewußt bestimmt schneller wieder die Tür finden...

Akelei über Hainburg (Österreich):
Hainburg war schön, romantisch, traurig, Verzweiflung und Freude. Hainburg war so vieles. Die Unterstützung der Bevölkerung war enorm. Ich hatte nie etwas Stimmungsvolleres als Hainburg erlebt. Ich glaube Hainburg war für Befürworter und Gegner etwas Besonderes. Die Taxifahrer von Wien kamen um Menschen kostenlos nach Hainburg und zurück zu fahren.
Ich war jede Nacht in Hainburg. In der Nacht bevor die Schlägerei losging, war ich bei den Arbeitern im Gasthaus, bei den Aubesetzern und bei den Polizisten. Niemand wollte wirklich glauben was am nächsten morgen geschehen sollte. (Ich machte so Nachschubtransporte in der Au von einem Lager ins nächste) Da der Funkverkehr gestört wurde, war es auch wichtig zu wissen wer sich wo aufhielt. Mit meinem Auto kam ich ungehindert durch alle Polizeisperren.
Als ich an dem Morgen nach Hause fuhr, kam uns der Konvoi der Cobra mit Blaulicht entgegen. Ich durchlebte damals eine emotionelle Hölle. Ich wusste es geht los und ich kann es nicht ändern. Ich habe während der ganzen Fahrt geweint. Ich musste nach Hause fahren in die Arbeit und Junior in die Schule bringen. Nach den Mittagsnachrichten sprach mich meine Chefin an und sie sagte nur "geh" und "was braucht ihr noch" und "kann ich euch helfen". Alle haben mir Decken, Batterien und Nahrungsmittel, Kleidung gebracht bis mein Auto bis obenhin voll war. In ganz Wien waren die Tabletten für Wasserentkeimung ausverkauft. Von der Hilfsbereitschaft lässt es sich etwa mit der Hochwasserkatastrophe letzten Jahres vergleichen.

Nonova im Thema "Verblödet uns das 'netz'?":
Was ist daran verkehrt, sich selbst aussuchen zu können, woran man verblödet? Hat man kein eigenes Urteilsvermögen?

Gisbert Zalich über die Jugend und die Alten:
Die Sehnsucht nach Vorbildern würde ich nicht als Verblödung bezeichnen. Schon meine Omi prophezeite beim Hören von Beatles-Musik den Untergang des Abendlandes. Die Jugend war schon vor 1000 Generationen in den Augen der Alten die Vorhut der Vernichtung... Aber es waren meistens dann doch die Alten, die für Vernichtung verantwortlich waren...